Der Frühling - der Welttag der Poesie

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Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  odileD le Ven 21 Mar - 21:44

Liebe Freunde,
Liebe Germanophile,

heute (21.03.2014) ist der Welttag der Poesie.
In keiner anderen Jahreszeit ist das Herz so lyrisch gestimmt wie im Frühling. Die Natur erwacht, es riecht wieder nach Erde und Gras, die Vögel verschaffen sich gehör; die Menschen werden übermütig. Sie verlieben sich leichter im Frühling!

Die Natur des Frühlings dient den Dichtern als ungemein biegsame Metapher. Liebe, Lust und Leidenschaft sind dabei die offensichtlichsten Anregungen.

Das Frühlingsgedicht von Goethe ist ein Beispiel dafür. Wer die Beschreibungen von Bächlein, Hain und Bienensummen erotische Anklänge herauszulesen glaubt, dürfte nicht ganz falsch liegen.

Frühzeitiger Frühling
Tage der Wonne,
Kommt ihr so bald?
Schenkt mir die Sonne,
Hügel und Wald?
Reichlicher fließen
Bächlein zumal.
Sind es die Wiesen?
Ist es das Tal?
Blauliche Frische!
Himmel und Höh!
Goldene Fische
Wimmeln im See.
Buntes Gefieder
Rauschet im Hain;
Himmlische Lieder
Schallen darein.
Unter des Grünen
Blühender Kraft
Naschen die Bienen
Summend am Saft.
Leise Bewegung
Bebt in der Luft,
Reizende Regung,
Schläfernder Duft.
Mächtiger rühret
Bald sich ein Hauch,
Doch er verlieret
Gleich sich im Strauch.
Aber zum Busen
Kehrt er zurück.
Helfet, ihr Musen,
Tragen das Glück!
Saget, seit gestern
Wie mir geschah?
Liebliche Schwestern,
Liebchen ist da!

Johann Wolfgang Goethe
(1749 - 1832)
Zum Welttag der Poesie (2014) werden Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt  aufgefordert, Gedichte zum Thema Gewalt und Frieden zu schreiben.

http://www.kleiner-kalender.de/event/welttag-der-poesie/4658-welt.html

http://www.unesco.de/welttag_poesie.html

LG

odileD

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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  Guilaine le Sam 22 Mar - 22:42

Liebe Odile,

Sehr schöne Poesie von Goethe ! Wir können die Konsonanten klingen hören : Frühzeitiger Frühling / Himmel und Höh /...
Ich mag die kurzen Reime.

Ich habe ein Gedicht von Rainer Maria Rilke gefunden.
Ich finde es schön, obwohl ich nicht alles verstehe :

DER SCHWAN

Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.
Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen - :

in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehn, Flut um Flut ;
während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu zeihn geruht.
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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  odileD le Dim 23 Mar - 12:50

Liebe Freunde,
Liebe Germanophile,

@ Guilaine:
offensichtlich hast Du eine Vorliebe für Schwäne! Da Du dieses Gedicht von Rainer Maria Rilke nicht so ganz verstehst, habe ich versucht, es zu interpretieren, was auch für mich nicht einfach war. Vielleicht gelingt es Dir und Euch auch, es besser zu verstehen.

Rainer Maria Rilke a écrit:DER SCHWAN

Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.
Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen - :

in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehn, Flut um Flut ;
während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu zeihn (sein) geruht.

In den drei Versen der ersten Strophe hat der Schwan nichts von dem Vogel mit weißen Federn, dem Symbol der Schönheit. Ungeschickt bewegt er sich auf der Erde, weg vom Wasser, wo er mit Eleganz und Anmut gleitet.
In den drei letzten Versen der ersten Strophe ist der Schwan nur eine Metapher des Todes. Sehr oft hat Rilke den anonymen Tod der Einwohner von Paris in seinen poetischen Werken und in seinen Schriftstücken in Prosa angedeutet. Der Schwan ist nicht mehr dieser „Fürst der Wolken“. Seine Bedeutung ist nicht mehr metaphorisch, sondern metonymisch. Der Schwan ist bei den Armen, den Kranken, den Besiegten.
In der letzten Strophe des Gedichtes von Rilke, erscheint der Schwan als Geschöpf der sichtbaren Welt wieder. Er gleitet auf dem Wasser, das sich „glücklich und vergangen“ unter ihm zurückzieht, um ihm einen sicheren Weg zu bahnen.
Der langsame Rhythmus der Verse, die Assonancen (Flut um Flut) drücken seine Anmut aus. Die vergleichende Gegenüberstellung von mehreren Wörtern, „mündiger“ und „königlicher“ spiegeln das Bild einer stolzen und hochmütigen Schönheit wieder, das des Schwanen der Mythologie.
Das Gedicht endet mit einem Spiegelbild des Friedens und der Zufriedenheit. Der Schwan erscheint uns als ein ewig stilles und souveränes Wesen.

LG

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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  Guilaine le Lun 24 Mar - 16:39

Vielen Dank, Odile, für deinen Kommentar und deine Erklärungen. Das Gedicht scheint mir mehr zugänglich jetzt.

Schönheit, Eleganz und Anmut, und dann stolz und hochmütig sind Wörter die genau passen zu dem Schwan.
Sie beschreiben, was ich für diesen schönen Vogel fühle. Danke !
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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  odileD le Lun 24 Mar - 19:10

Liebe Freunde,
Liebe Germanophile,

um bei dem Thema „Frühling“ zu bleiben, schicke ich Euch ein Gedicht von Theodor Fontan, das nicht so schwer ist, sodass jeder von Euch es verstehen kann.

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
»Er kam, er kam ja immer noch«,
Die Bäume nicken sich's zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.
Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.«
O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh':
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.

Theodor Fontane
(1851)

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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  MurielB le Lun 24 Mar - 21:28



Liebe Odile und Guilaine
Es ist wahr. Wenn der Frühling kommt, sind wir zufrieden. Er bringt Lebenslust.
Ihr konnt auch das Gedicht hören.

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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  MurielB le Lun 24 Mar - 22:04

odileD a écrit:Liebe Freunde,
Liebe Germanophile,

@ Guilaine:
offensichtlich hast Du eine Vorliebe für Schwäne! Da Du dieses Gedicht von Rainer Maria Rilke nicht so ganz verstehst, habe ich versucht, es zu interpretieren, was auch für mich nicht einfach war. Vielleicht gelingt es Dir und Euch auch, es besser zu verstehen.

Rainer Maria Rilke a écrit:DER SCHWAN

Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.
Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen - :

in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehn, Flut um Flut ;
während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu zeihn (sein) geruht.

In den drei Versen der ersten Strophe hat der Schwan nichts von dem Vogel mit weißen Federn, dem Symbol der Schönheit. Ungeschickt bewegt er sich auf der Erde, weg vom Wasser, wo er mit Eleganz und Anmut gleitet.
In den drei letzten Versen der ersten Strophe ist der Schwan nur eine Metapher des Todes. Sehr oft hat Rilke den anonymen Tod der Einwohner von Paris in seinen poetischen Werken und in seinen Schriftstücken in Prosa angedeutet. Der Schwan ist nicht mehr dieser „Fürst der Wolken“. Seine Bedeutung ist nicht mehr metaphorisch, sondern metonymisch. Der Schwan ist bei den Armen, den Kranken, den Besiegten.
In der letzten Strophe des Gedichtes von Rilke, erscheint der Schwan als Geschöpf der sichtbaren Welt wieder. Er gleitet auf dem Wasser, das sich „glücklich und vergangen“ unter ihm zurückzieht, um ihm einen sicheren Weg zu bahnen.
Der langsame Rhythmus der Verse, die Assonancen (Flut um Flut) drücken seine Anmut aus. Die vergleichende Gegenüberstellung von mehreren Wörtern, „mündiger“ und „königlicher“ spiegeln das Bild einer stolzen und hochmütigen Schönheit wieder, das des Schwanen der Mythologie.
Das Gedicht endet mit einem Spiegelbild des Friedens und der Zufriedenheit. Der Schwan erscheint uns als ein ewig stilles und souveränes Wesen.

LG



Dieses Lied ist schön nicht wahr ?

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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  Guilaine le Ven 28 Mar - 17:54

Schöne Poesie über Frühling auch !
Ja, diese ist leichter zu verstehen und die Video von Muriel ist sehr langsam und ganz klar.

In dieser Poesie, kann man fühlen die Anstrengung von der Natur, die lange gewartet hat, um Frühling endlich zu willkommen.
Aber es ist ein bisschen zu früh. Unser Herz weisst doch, dass Mai noch nicht da ist.

Bald wird April kommen, und dieses Wochenende wird unsere Uhr eine Uhr mehr zeigen, d.h. wir werden eine Uhr weniger schlafen !
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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  odileD le Ven 28 Mar - 19:02

Liebe Freunde,
Liebe Germanophile.
vielen Dank Muriel und Guilaine für Eure Beiträge!
Das folgende Gedicht „Er ist's“ von Eduard Mörike ist eins der schönsten und beliebtesten Frühlingsgedichte in deutscher Sprache. Jeder kennt es.
Ich hoffe, dass es Euch gefällt.

Er ist's

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab’ ich vernommen!

Eduard Mörike
(1804 - 1875)



Ich wünsche Euch eine gute Unterhaltung.
LG

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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  Guilaine le Ven 28 Mar - 22:38

Liebe Odile,

Das ist auch ein schönes Gedicht über Frühling.
Die Assonancen passen gut dem Thema an.
Einige Wörter kennte ich nicht, und ich habe sie lernen können.
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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  odileD le Lun 14 Avr - 15:00

Liebe Freunde,
Liebe Germanophile,

Ich habe ein weiteres Frühlingsgedicht gefunden, das ich auch sehr schön finde.

Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland
(1787-1862)

Ich wünsche Euch gute Unterhaltung!
LG


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Re: Der Frühling - der Welttag der Poesie

Message  Guilaine le Lun 14 Avr - 15:59

14.04.2014
"Nun muss sich alles, alles wenden."
Ja, Frühling ist wie eine neue innere Geburt.

Ich bewundere die Leute, die es in schönen Wörtern sagen können.
Ich mag das folgende : 
Neuer Klang... Sei nicht bang!
Tiefste Tal... Vergiss der Qual.
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